Urlaub im Mai

Wir sind urlaubsreif. Um ein paar Tage Ruhe und Erholung zu finden, möchten wir gerne ins Sauerland, in „unser“ Häuschen fahren. Es gibt da nur ein kleines Problemchen: als wir das letzte Mal da waren, mussten wir bereits die Besitzer davon überzeugen, dass unsere Zwerge quasi als ein Hund zu zählen sind. Wie sollen wir nun mit 3 Hunden überzeugen?

Weil alles im Leben auf einen Versuch ankommt, schreibe ich eine nette Email, natürlich mit dem Link von Knöpfchens Urlaubsbericht auf der HP und erzähle von Änny, unserer behinderten Pflegehündin, deren Vermittlung bis zum Buchungstermin ungewiss ist.  Zu meiner großen Freude erhalten wir eine Zusage, mit der Erlaubnis, Änny mitzubringen.

Von jetzt an rattert es in meinem Kopf. Wie wird sich der Urlaub mit Änny gestalten? Ob die Maus wirklich so gefestigt ist, einen Ortswechsel zu verkraften? Und: wie zur Hölle sollen wir 3 Hunde, deren halben Hausstand und uns in einem Agila unterbringen?

Auf keinen Fall können wir auf die beiden Hundeboxen, den Geländebuggy, den Rolli, Ännys Faltbox und auf die 3 Hundekörbchen verzichten. Die Fotoausrüstung, das Notebook und die Knopf-Windeln brauchen wir auch.

Da zunächst das Wetter als eher durchwachsen angekündigt ist, überlege ich, ob meine Gummistiefel in die Kulturtasche passen oder ob ich nicht doch die Variante einer lieben Forenkollegin wähle und die Gummistiefel als Kulturtasche umfunktioniere. Wechselwäsche für uns wird recht schnell als völlig überbewertet entschieden und das , was wir brauchen, ziehen wir eben zur Not übereinander an.

Während ich in Panik verfalle, entscheidet GöGa, dass es Zeit wird, unsere Dachbox aus dem Schuppen zu kramen. Sie hat uns stets gute Dienste erwiesen, als die Kinder noch klein waren und wir im Sommer mit dem Auto unseren Urlaub in Frankreich verbrachten.

Und siehe da: wir brauchen unsere Wechselwäsche nicht übereinander anziehen, denn sogar für unsere Reisetaschen ist noch Platz!

Am Tag vor der Abfahrt stehen bereits einige Taschen im Flur und unser Knopf weiß genau, dass ein Abenteuer auf sie wartet. Aufgeregt sitzt sie vor den Taschen , bellt uns an, sie ja nicht zu vergessen. Änny findet das eher befremdlich, aber noch ist alles gut.

Es bleibt auch alles gut, bis kurz vor der Abfahrt ihre Schlafbox abgebaut und im Auto verstaut wird. Jetzt versteht sie die Welt nicht mehr. Sie kauert sich in der Ecke zusammen und ein paar Mal setzt sie zum Ausrasten an. Es ist nicht leicht sie zu beruhigen und mir wird mulmig.

Dann geht es endlich los und 2 deutliche Ansagen sind nötig, um Madame davon zu überzeugen, dass die Autofahrt zu überleben ist.

Am Ferienhaus angekommen, lassen wir zuerst die Zwerge aus dem Auto. Viva rennt los, sie weiß genau wo wir sind. Auch unser Knopf kachelt den kleinen Berg vom Parkplatz zum Haus hoch und nur unter größter Anstrengung kann ich sie davon abhalten, ins Haus zu rollen. Dann hole ich Änny aus dem Auto. Skeptisch, aber froh, nicht ohne ihre Freundinnen zu sein, geht sie mit mir mit. Als dann als erstes ihre Box einen Platz im Ferienhaus erhält, gehe ich mit ihr ins Haus und zeige ihr ihren Platz für die nächsten Tage. Ich kann richtig sehen, wie die Anspannung der letzten Stunden von ihr abfällt. Jetzt wird alles gut! Mit festem Schlafplatz und ihrem Rudel an der Seite, kann der Urlaub beginnen.

Das Ferienhaus liegt auf einem Hügel, rundum nur Wiesen und Wald. Nur eine kleine Straße führt am Haus entlang. Als wir ausgepackt haben und bei einer Tasse Kaffee auf der Terrasse sitzen, inspiziert das Trio die Umgebung. Änny habe ich vorsichtshalber an die Schleppleine gelegt, was sich als ganz doofe Idee herausstellt. Ständig verheddert sie sich im Seil und weil die Wiese ziemlich abschüssig ist, stolpert sie mehr, als sie läuft.Ich entschließe mich , auf unsere Arbeit der letzten Monate zu vertrauen und nehme die Schleppleine ab. Wir brauchen sie übrigens den ganzen Urlaub nicht mehr.

Änny tobt mit den Zwergen über die Wiese, lässt sich am Weg abrufen, am Parkplatz stoppen und schnell sind die Grenzen geklärt. Wir schauen in drei glückliche Hundegesichter und sind froh, das Abenteuer „Urlaub mit 3 Hunden“ gewagt zu haben.

Noch am gleichen Abend starten wir unseren ersten Spaziergang. Als wir den Feldweg erreichen, darf das Trio frei laufen und stürzt sich in die Wiesen. Der Löwenzahn steht überall kniehoch und es ist alles voller Pusteblumen. Die Pollen fliegen in alle Richtungen als die Bande die Wiese entert. Sogar der Knopf kämpft sich durch den Dschungel und Viva ist nur beim Hochhüpfen noch zu sehen. Änny schmeißt sich ins hohe Gras, sie strahlt wie ein Weihnachtsbaum. Die Sonne und wir strahlen mit ihr mit.

Weil die Hunde jederzeit vor die Tür dürfen, gibt es keine festen „Pipizeiten“ und so weigert sich Madame am ersten Abend, sich spät noch einmal zu lösen. Die erste Nacht wird deshalb sehr kurz und ich darf um 3.45 Uhr den Sternenhimmel bewundern, weil es dann doch sehr nötig ist.

Am nächsten Morgen starten wir zu einer Wanderung durch den Wald. Das erste Stück ist ein steiler Feldweg, weshalb der Knopf bergauf im Buggy verbringt. Meine Bedenken, ob Änny den Berg schafft, sind schnell zerstreut. Sie rennt mit Viva los, springt wie eine Gemse bergauf, rennt wieder zurück und startet wieder. Oben im Wald angekommen, will der Knopf auch mitmischen und kann es nicht erwarten, das Trio zu vervollständigen. Die 3 sind voller Elan, nur GöGa und ich, müssen einen Moment verschnaufen, bevor wir unseren Waldnixen folgen können.

Auf dem Rückweg durch den kleinen Ort, kommen wir an einer Kuhweide vorbei. Da Änny auf Entfernung nur unscharf sieht, hat sie Angst vor den großen Dingern, die sich bewegen und ab und an komische Geräusche von sich geben. Wir sprechen ihr Mut zu und an Knöpfchens Seite traut sie sich dann tatsächlich vorbei. Dass es dafür eine Party auf dem Feldweg gibt, merkt sie sich und die folgenden Begegnungen in den nächsten Tage mit diesen komischen Riesen, meistert sie an Knopfs Seite von Mal zu Mal besser.

Das Wetter könnte besser nicht sein, ok, ein paar Grad weniger fände der Knopf prima, aber wir stromern jeden Tag durch die Gegend, faulenzen auf der Terrasse und toben über die Wiesen am Haus.

Am Abend drehen Viva, Änny und ich noch eine Extrarunde, auf der einige schöne Fotos im Abendlicht zustande kommen.

Wenn das Trio dann müde und glücklich in den Körbchen liegt, schleichen GöGa und ich noch ums Haus. Wir haben einen kleinen Wettstreit, wer es schafft in der Dämmerung auf großer Entfernung brauchbare Fotos von den Rehen zu bekommen. Die Ausbeute kann sich nicht wirklich sehen lassen, aber es macht Spaß.

Eines Tages steht tatsächlich am helllichten Tag ein Reh auf der Wiese vor unserem Haus. Ich schaffe es sogar noch, schnell reinzuhuschen und die Kamera zu holen. Klick, klick – die ersten Fotos sind im Kasten und ich freue mich riesig, sie GöGa unter die Nase reiben zu können, als Viva plötzlich durchstartet. Jetzt habe ich Panik, denn das Reh flüchtet über die kleine Straße in Richtung Wald. Ich rufe unsere kleine Jägerin, aber sie hört nicht. Ich sprinte quer über die Wiese und endlich entdecke ich sie. Sie hat das Reh verloren und jetzt lässt sie sich auch abrufen. Auch wenn ich sehr erleichtert bin, so bin ich doch ziemlich wütend. Einerseits auf unseren Zwerg, andererseits : wann steht schon mal ein Reh vor der Tür?

Als ich am Abend die Fotos auf den Compi überspiele, rutschen mir die Fotos in einen anderen Ordner, was ich leider erst bemerke, nachdem ich die Karte bereits gelöscht habe. Jetzt ist der Running-Gag für die nächste Zeit geboren:

„Stell dir vor, da steht ein Reh vor der Tür … -  gelöscht!“

Haha, wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht mehr zu sorgen…..

Leider ist irgendwann einmal der schönste Urlaub zu Ende. Gerne wären wir noch geblieben, denn auch das Trio ist so entspannt, wie nur selten. Um uns die Abreise etwas zu erleichtern, buchen wir bei der Abmeldung gleich eine Woche für den Herbst. Schließlich war es zu warm, um den tollen Pelletofen zu nutzen, das müssen wir unbedingt nachholen.

Bei der Verabschiedung erfahren wir noch, dass wir wieder einmal für Gesprächsstoff in dem kleinen Ort gesorgt haben. Diesmal ist aber nicht der Rollknopf selbst das Thema, sondern die Tatsache, dass wir tatsächlich mit einem Kinderwagen unterwegs waren.  Mal sehen, wie wir das im Herbst noch toppen können….. ;)

Zuhause angekommen, fällt mein Blick als erstes auf das vertrocknete Stämmchen vor dem Haus. Meine schöne Kugelweide ist der Trockenheit zum Opfer gefallen. Auch im Garten erwartet mich die ein oder andere Pflanze, die laut nach Wasser ruft, aber dass meine Mädchen sogar meine Küchenkräuter verdursten lassen, hätte ich nicht gedacht. Um so mehr freue ich mich, wenigstens die Katzen und meine Außenbande wohlauf vorzufinden.

Das Trio stürmt gut gelaunt Haus und Garten und auch Änny freut sich, wieder daheim zu sein.

Als wir alle abends noch auf der Terrasse sitzen, dröhnt laute Musik aus der anderen Hälfte unseres kleinen Doppelhauses. Ich merke, wie meine Tiefenentspannung schwindet und um das Ganze zu steigern, wird nun noch die Heckenschere angeworfen. Da diese ziemlichen Krach macht, muss unbedingt die Musik lauter gedreht werden und wir verstehen unser eigenes Wort nicht mehr.  Wir sind wieder zu Hause.

Es ist 20.45 Uhr in Castrop-Rauxel und ich sehne mich nach dem kleinen Häuschen im Sauerland, ohne Nachbarn weit und breit und wo sich Fuchs und Hase eine gute Nacht wünschen.

 

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3 Antworten auf Urlaub im Mai

  1. Karin sagt:

    Was für ein schöner Bericht Petra. Enorm, wie Änny das gemeistert hatte. Sie muss unglaubliches Vertrauen haben. Vielen, lieben Dank für diesen kurzweiligen Bericht und die schönen Bilder. Selbst Peter musste schmunzeln…*lach*

  2. Bettina sagt:

    toller Bericht und toller Urlaub…
    Prima wie Änny das gemeistert hat, aber mit ihren beiden Freundinnen an der Seite konnte es ja nur gut gehen.
    Vielen Dank für den schönen Bericht und die schönen Fotos.
    Ich freue mich auch, dass Du über meinen Vorschlag zur Verwendung der Gummistiefel nachgedacht hast :o ))

  3. Angie sagt:

    Deine Berichte sind immer eine hoch willkommene Abwechslung vom Alltagstrott.
    Du solltest Dir ernsthaft mal Gedanken über die Veröffentlichung eines “Knopf- Buches” machen. Das wird ein Bestseller, wetten??
    Klasse, wie Du Änny fortlaufend unterstützt und sie sich entwickelt hat.

    Liebe Grüße an Dein Trio von meinem Trio.
    (Hörtnix, Siehtnix und Machtnix hätten mal wieder Lust zu `ner Runde)

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